Verzerrung – Verlorener Performativ

Bei dieser Form der Verzerrung geht es um generelle Aussagen und Bewertungen darüber, wie jemand sein Weltmodell sieht, wobei derjenige, der die Bewertung vornimmt, unerwähnt bleibt. Es ist eine Unterschlagung des Urhebers.

Es ist in Ordnung, die Gefühle eines anderen Menschen zu verletzen.

Wir verstehen diesen Satz als Aussage über das Weltmodell unseres Gesprächspartners – als eine für ihn geltende Regel. Die Form der Oberflächenstruktur erweckt den Eindruck, dass darin eine Generalisierung zum Ausdruck kommt, die für die ganze Welt Gültigkeit hat; die Oberflächenstruktur wird von deinem Gesprächspartner nicht relativiert. Sie lässt nicht erkennen, dass seine Aussage für sein spezifisches Modell wahr ist; nichts deutet darauf hin, dass ihm bewusst ist, dass es auch noch andere Möglichkeiten geben könnte. Wir übersetzen:

Ich sage zu dir, dass es nicht in Ordnung ist, wenn ich die Gefühle eines anderen Menschen verletze.

Im Rahmen des Transformationsmodells haben Linguisten eine Analyse entwickelt, die zeigt, dass jede Oberflächenstruktur auf einer Tiefenstruktur basiert, die einen Satz folgender Form beinhaltet: „Ich sage zu dir, dass S“, wobei „S“ die Oberflächenstruktur ist. Dieser übergeordnete Satz wird Performativsatz genannt und in den meisten Fällen während seiner Ableitung zur Oberflächenstruktur durch eine Performativtilgung beseitigt. Nachdem du erkannt hast, dass die Generalisierung deines Gesprächspartners, sich auf seine Welt bezieht, kannst du diese Generalisierung so hinterfragen, dass dein Gesprächspartner sie als Ausdruck seines persönlichen Systems von Überzeugungen zu einem bestimmten Zeitpunkt erkennt. Da es sich nicht um Generalisierungen über die Welt an sich, sondern um solche handelt, die seine Überzeugungen spiegeln, kannst du ihm helfen, andere in seinem Modell enthaltene Möglichkeiten zu entwickeln. Dies ist besonders wichtig, wenn eine Generalisierung die Zahl der Entscheidungsmöglichkeiten einschränkt und er dies als schmerzvoll und unbefriedigend empfindet.

Signalwörter:

Gut, schlecht, verrückt, krank, korrekt, richtig, falsch, nur (so wie in: Es gibt nur eine Möglichkeit), wahr,…

Beispielsätze und Fragetechnik:

Es ist schlecht zu arbeiten.                                           Woher weißt du, dass es schlecht ist?

Wer sagt, dass es schlecht ist?

Es ist falsch Gefühle zu zeigen.                                    Für wen ist es falsch, Gefühle zu zeigen?