Hypnotische Sprachmuster

 

1.EINGEBETTETE BEFEHLE

Und ich möchte, dass du mir nur die Dinge erzählst, die du mir alle erzählen willst.“

 

2.EINGEBETTETE FRAGEN

Sätze  wie:

Irgendetwas wird dir dabei klarer (?)“

oder Beispiele mit:

               Ich frage mich, ob … / Ich möchte wissen, ob … / Ich bin neugierig, ob … / Ich will verstehen … , ob …

Formulierungsbeispiele:

„Ich frage mich, ob du dir vorstellen kannst, wie wunderbar es sich anfühlt, in einem entspannten Zustand all das zu lernen, was man lernen will.“

Ich frage mich, ob du weißt, welche Hand zuerst nach oben steigen wird.“

 

3.INDIREKTE SUGGESTIONEN

„Und ich frage mich, ob du jetzt zufriedener nach Hause gehst … (oder nicht)?“

[Im Unterschied dazu wäre eine direkte Suggestion: „Geh zufriedener nach Hause.“]

 

  1. MEHRDEUTIGKEIT (AMBIGUITÄT)

Phonologische Ambiguität

Worte oder Wortverbindungen, die mit derselben Klangsequenz verschiedene Bedeutungen haben können.

Beispiel:           Leere – Lehre

Syntaktische Ambiguität

Liegt vor, wenn die syntaktische Funktion eines Wortes nicht allein aufgrund des unmittelbaren Kontexts bestimmt werden kann.

Beispiele:         Der Besuch von Bekannten … / Das Fühlen der Couch …

Bereichsambiguität

Liegt vor, wenn nicht aufgrund einer Überprüfung des unmittelbaren sprachlichen Kontexts entschieden werden kann, auf welchen Teil eines Satzes sich ein anderer Teil des Satzes bezieht.

Beispiel:           „… wenn ich zu dir als Kind rede …“

 Interpunktionsambiguität

Die Verwendung einer Wörtersequenz, die das Resultat einer Überlappung zweier wohlgeformter Oberflächenstrukturen ist, die ein Wort oder eine Wortverbindung gemeinsam haben.

Beispiel:           „Schau an die Decke dich gut zu.

 

UTILISATION

Tad James hat einmal an einem Abend mit einer Klientin gearbeitet, die er in tiefe Trance geführt hatte. Sie saßen in der Nähe einer Standuhr mit Klangstäben, deren Geläute man im ganzen Haus hören konnte. Während er in tiefen Rapport (= die hypnotische Beziehung zwischen Klient und Hypnotiseur) mit der Klientin dasaß, hörte er plötzlich ganz leise das Geräusch, das den baldigen Beginn des Läutens ankündigt.

Er dachte: „Oh nein! Was soll ich jetzt machen? Die Klientin befindet sich in tiefer Trance!“ Während er hörte, wie sich das Gewicht auf der Rolle abwärts bewegte und der Hammer zum Schlag ausholte, sagte er: „Du wirst jetzt gleich eine tiefe Offenbarung erleben. Du wirst sieben Dinge bemerken, die Dir zeigen, dass Du dich verändert hast.“ Dann senkte sich der Hammer und ließ ein tiefes Bong!

Als die Klientin aus der Trance zurückkam, sagte sie, dies sei eine der tiefsten Erfahrungen gewesen, die sie in ihrem ganzen Leben gemacht habe.

 

Ein wichtiges Element der modernen Hypnose ist die „Utilisation“. Dieses Phänomen geht auf Milton Erickson zurück, dieser lernte im Laufe der Zeit, eine Trance auf immer weniger direktive Weise zu induzieren. Er machte es sich zur Gewohnheit, geschehen zu lassen, was immer geschehen mochte. Dies wird „Utilisation“ genannt.

Wenn du anfängst, Hypnose zu praktizieren, kannst du ausgezeichnete Ergebnisse erwarten, wenn du alles nutzt, was während dem Setting passiert. Dazu musst du genau auf alles achten, was dein Klient tut und sagt. Du kannst alles, was er tut, kommentieren: „So ist es gut“. Entwickle es zu einer Kunst, die Dinge, die der Klient tut, in dein Gespräch einzubeziehen, sogar unerwartete Ereignisse in der Umgebung.

Nutze was immer du nutzen kannst. Nutze alles, was im Kontext der Hypnose geschieht, um die Trance deiner Klienten zu vertiefen.

Erickson war ein Meister der Utilisation. Er vermochte alles zu nutzen, was während einer Trance geschah. Beispielsweise sagte er zu einem Klienten: „Ich bin mir nicht sicher, ob du es bemerkst hast, aber deine Atmung ist langsamer geworden. Und deine Augen sind auf diesem Punkt an der Wand fixiert. Und ob du darüber klar sein magst oder nicht, vielleicht ist einer deiner Arme ein wenig steif geworden.“ Erickson pflegte alles, was geschah, zu nutzen, weil er es liebte, Dingen seine Aufmerksamkeit zu schenken.

Wenn du beispielsweise siehst, dass der Klient im nächsten Augenblick etwas tun wird, kannst du ihn auffordern, es zu tun. Tut er es dann, sagst du einfach: „So ist es gut.“

Nehmen wir an, du sagst zu deinem Klienten: „Deine Augenlider werden jetzt gleich zucken.“ (das ist eine automatische Reaktion, die in jedem Fall eintreten wird, unabhängig davon, ob du nun darüber sprichst oder nicht). Über kurz oder lang wird dies dann geschehen, und wenn es passiert, sagst du: „So ist es gut.“ Wenn der Klient durch das unwillkürliche Zucken seiner Augenlider deine Voraussage bestätigt, fängt sein Unbewusstes an, die Vorstellung zu akzeptieren, dass es das Zucken auf deine Suggestion hin ausgelöst hat.

Und nachdem es diese Suggestion akzeptiert hat, wird es auch nachfolgende Suggestionen in stärkerem Maße akzeptieren. Utilisation ist ein sehr wirksames Werkzeug.

 

Autogenes Training

Der Mediziner Johannes Heinrich Schultz lebte von 1884 bis 1970 und entwickelte das Autogene Training (AT) – das auch „konzentrative Selbstentspannung“ genannt wird – zwischen 1908 und 1912. Er entnahm Elemente aus der Selbsthypnose und dem indischen Raja-Yoga (Yoga der Beherrschung).

In der Unterstufe des Autogenen Trainings sind es Entspannungselemente, die mit sieben Übungen gefördert werden. Diese Übungen widmen sich nacheinander der Ruhe, Schwere und Wärme in den Armen und Beinen, der Regulierung des Pulses und der Atmung. Außerdem werden Wärme im Sonnengeflecht und Kühle der Stirn durch Selbstsuggestion hervorrufen. Während sich die Ergebnisse der Selbstsuggestionen anfangs mitunter erst nach und nach einstellen, sind mit etwas Übung die Ergebnisse in Sekunden zu bemerken.

Vielfach werden mit diesem sehr vereinfachten Verfahren der Selbsthypnose gute Erfahrungen gemacht. Allerdings gibt es auch einige Menschen, die bei starrer Verwendung der Ursprungsversion keine Freude daran haben, da die Suggestionen nicht den eigenen Bedürfnissen entsprechen. So gibt es Menschen, die beispielsweise Leichtigkeit statt Schwere oder Kühle statt Wärme als angenehm und hilfreich empfinden und sich dann, bei ausbleibender Anpassung, nicht damit anfreunden.

In der Oberstufe des Autogenen Trainings werden komplexere mentale Übungen genutzt für Entwicklung und Heilung. Um mit der Oberstufe des Autogenen Trainings zu beginnen, ist die Beherrschung der Grundübungen der Unterstufe erforderlich.